Historische Bilder aus der Grafschaft Glatz (Schlesien)

Kreis Habelschwerdt

Heudorf

Kapelle auf dem Puhu-Paß
Kapelle auf dem Puhu-Paß an der
Straße von Heudorf nach Kieslingswalde

Am Puhu-Pass (Przełęcz Puchaczówka) steht eine kleine Kapelle aus dem Jahr 1781. Der Legende nach soll sie für den Bauern Hans Mann aus Seitenberg (Stronie Śląskie) errichtet worden sein, der als Soldat im Bayerischen Erbfolgekrieg (Juli 1778 bis Mai 1779) unter Friedrich dem Großen aus der Festung Glatz (Twierdza Kłodzko) desertierte, um Frau und Kinder wiederzusehen und an dieser Stelle von den Seinen Abschied nahm. Er ging freiwillig zurück und erlitt die Todesstrafe. Davon berichtet ein Gedicht. Bis in die 1970er Jahre enthielt die Kapelle Holzskulpturen von Michael Klahr, die aber später gestohlen wurden.

Ursprung der Kapelle

Sie weiß dir zu erzählen von trüber harter Zeit,
Von Wind und Wettergrollen, von Gram und Herzeleid.
Vor mehr als hundert Jahren zum Dörfchen zog hinaus,
Gewonnen von den Werbern, ein Mann zum blutigen Strauß
Die Feinde sah er fallen von seinem tapfern Schwert,
Hat in des Kampfes Hitze sich wie ein Held bewährt.
Doch als er einst die Wache bezieht in finst'rer Nacht,
Die Liebe zu der Heimat in seiner Brust erwacht.
Ihn fesselt namlos Sehnen, er kann nicht wiedersteh'n,
Muß die geliebten Seinen in dieser Nacht noch seh'n.
Die Waffe legt er nieder, stürmt in die Nacht hinaus
Und in der zwölften Stunde steht er vor seinem Haus.
Wach' auf, du teure Gattin, wach' auf, wach' auf geschwind,
Die Liebe hat gesieget, die Lieb' zu Weib und Kind!
Und aus der Kammer dringet ein freudiges Geschrei:
„O, Vater, sei willkommen, jetzt bist du wieder frei!“
Ach, schweiget von der Freiheit, sie ward mir nicht gewährt,
Euch heute nur zu sehen hab' ich so heiß begehrt
Und morgen kehr' ich wieder zurück zur Garnison,
Um mit dem Tod zu büßen, daß treulos ich gefloh'n.
Des andern Tages wanket der Flüchtige zurück,
Begleitet von den Seinen ein gutes Wegestück.
Und ehe sie sich trennen im tiefsten Herzensweh,
Verspricht die Frau zu stellen ein Denkaml auf die Höh'.
Ein Kirchlein will sie bauen zum Wege, klein und schlicht,
Auf daß ein Paternoster der Wanderer dort spricht.
Zum Tode ward gepeitschet in Glatz der Deserteur
Und zu den Seinen kehrte der Vater nimmermehr.

Text zur Verfügung gestellt von: Franz Rücker, Wendeburg (früher: Johannesberg)

Ursprung der Kapelle
Ursprung der Kapelle

 

 

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© 2006 by Dipl.-Ing. Christian Drescher, Wendeburg
Erste Version vom 24.12.2006, letzte Aktualisierung am 20.02.2025.